Eine ARD-Reportage bestätigt, was Geschädigte selten erfahren
Im Mai 2026 hat der WDR für die ARD eine Reportage veröffentlicht, die einen Vorgang öffentlich macht, über den die meisten Unfallgeschädigten nichts wissen. Kfz-Versicherer kürzen nach Unfällen regelmäßig die Schadenssumme. Eine Auswertung von über 5.000 Fällen zeigt: In mehr als 40 Prozent wurde gekürzt, in vielen Fällen zu Unrecht. Als Sachverständiger erlebe ich dieses Muster seit Jahren. Was Sie dagegen tun können, hängt von einer einzigen Entscheidung ab.

Zur Reportage in der ARD-Mediathek
Worum es geht
Nach einem unverschuldeten Unfall zahlt die Haftpflichtversicherung des Verursachers. So weit die Theorie. In der Praxis, das zeigt die Reportage, bekommen viele Geschädigte weniger, als ihnen zusteht. Nicht durch offene Ablehnung, sondern durch stilles Kürzen einzelner Positionen.
Das ARD-Kompetenzcenter Verbraucher hat zusammen mit einem auf Unfalldaten spezialisierten Unternehmen über 5.000 Schadensfälle aus einem Jahr ausgewertet. In mehr als 40 Prozent der Fälle wurde die Schadenssumme gekürzt. In vielen Fällen offenbar zu Unrecht. Denn, und das ist der entscheidende Punkt: Die Versicherungen haben die gekürzte Summe später doch ausgezahlt, aber nur dann, wenn die Verbraucher sich gewehrt haben.
Wer sich nicht wehrt, bleibt auf der Differenz sitzen. Das ist der Mechanismus.
Der Fall aus der Reportage
Die Reportage begleitet einen Geschädigten, dessen Fall typisch ist. Er hatte einen unverschuldeten Unfall an einer Kreuzung, jemand missachtete seine Vorfahrt. Der Schaden lag bei rund 2.000 Euro. Er reichte der gegnerischen Versicherung alles ein, inklusive eines Gutachtens über etwa 1.750 Euro, und erwartete die Auszahlung.
Stattdessen kam ein Kürzungsschreiben. Mehrere Positionen waren gestrichen. Unter anderem wurde er auf eine günstigere Werkstatt verwiesen, statt der Markenwerkstatt, in der sein fünf Jahre altes Fahrzeug immer gewartet worden war. Auch bei der Lackierung wurde gekürzt.
Genau das ist der Punkt, an dem die meisten aufgeben. Der Geschädigte in der Reportage hat sich gewehrt. Nach der Presseanfrage des WDR lenkte die Versicherung ein. In ihrer Stellungnahme heißt es, nach erneuter Prüfung sei die Regulierung der BGH-Rechtsprechung angepasst und die offene Differenz vollständig ausgeglichen worden. Den Vorwurf systematischer pauschaler Kürzungen weist die Versicherung zurück.
Was ein Verkehrsrechtsanwalt dazu sagt
In der Reportage kommt ein Geschäftsführer einer der größten Verkehrsrechtskanzleien Deutschlandszu Wort. Seine Einschätzung ist deutlich. Bei Autoreparaturen nach Unfällen verlieren Verbraucher häufig viel Geld. Er beschreibt eine Entwicklung über die Jahre. Früher sei nur ein kleiner Teil der Fälle gekürzt worden, heute ein sehr großer.
Seine Schätzung zur Lage der Geschädigten ist ernüchternd. Nur etwa ein Viertel bis ein Drittel lasse sich anwaltlich vertreten. Der große Rest stehe der Versicherung weitgehend allein gegenüber, oft ohne zu wissen, welche Rechte überhaupt bestehen.
Die Rolle der Prüfdienstleister
Ein zentraler Teil der Reportage betrifft die sogenannten Prüfdienstleister. Das sind externe Firmen, die im Auftrag der Versicherungen die Werkstattrechnungen und Gutachten prüfen. Eine dieser Firmen wird in der Reportage näher betrachtet.
Auffällig ist die Reichweite. Praktisch alle großen Versicherer arbeiten mit solchen Prüfdienstleistern zusammen. Die Reportage nennt eine Reihe bekannter Namen. Auf den Werkstattrechnungen werden dann einzelne Posten gestrichen oder gekürzt.
Eine Fachwerkstatt, ebenfalls in der Reportage zu Wort kommend, bestätigt die Praxis aus ihrer Sicht. Es gebe in der Regel immer etwas, das gekürzt werde. Der Geschäftsführer beziffert den Anteil, der der Werkstatt am Ende verloren geht, auf grob fünf bis fünfzehn Prozent. Geld, das die Werkstatt real verliert, oder das beim Geschädigten landet, je nachdem, wer am Ende dafür aufkommt.
Der Prüfdienstleister selbst weist die Vorwürfe zurück. In einer Stellungnahme heißt es, man prüfe nach klar definierten technischen Kriterien und objektiven Leitlinien, nicht nach Kürzungszielen.
Die Behörde prüft jetzt
Bemerkenswert ist, was die ARD-Redaktion nach ihrer Auswertung getan hat. Angesichts der Größenordnung wurden die Ergebnisse an die BaFin weitergeleitet, die für die Aufsicht über Versicherungen zuständige Behörde. Diese prüft den Sachverhalt nun. Allein das zeigt, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt, sondern um ein Muster, das ernst genommen wird.
Warum mich das nicht überrascht
Ich arbeite seit Jahren als unabhängiger Kfz-Sachverständiger in Gronau und im Münsterland. In dieser Zeit habe ich über 600 Gutachten erstellt. Und ich habe immer wieder dieselben Muster gesehen, die die Reportage jetzt öffentlich macht.
Die typischen Kürzungspositionen sind fast immer dieselben. Stundenverrechnungssätze, mit Verweis auf eine angeblich günstigere Werkstatt, ohne dass deren Gleichwertigkeit konkret nachgewiesen wäre. Verbringungskosten und UPE-Aufschläge, pauschal gestrichen. Die Wertminderung, oft mit „nicht gegeben“ abgehandelt, obwohl sie nach jeder Reparatur eines jüngeren Fahrzeugs besteht. Und immer wieder verdeckte Schäden, die bei einer schnellen Sichtprüfung per Foto gar nicht erst auffallen.
Was die Reportage als System beschreibt, ist für mich Alltag. Der Unterschied ist nur: Wer ein unabhängiges, gründliches Gutachten in der Hand hat, dem kann die Versicherung diese Kürzungen nicht einfach unterschieben. Jede Position ist dokumentiert, begründet, gerichtsverwertbar. Wer sich wehrt, bekommt das Geld. Das hat die Reportage selbst gezeigt.
Was Sie als Geschädigter daraus mitnehmen sollten
Die wichtigste Lehre aus der Reportage ist nicht, dass Versicherungen böse sind. Sie ist, dass Sie sich wehren müssen, um zu bekommen, was Ihnen zusteht. Und dass Sie dafür eine solide Grundlage brauchen.
Lassen Sie ein eigenes, unabhängiges Gutachten erstellen. Bei einem unverschuldeten Unfall ist das Ihr gutes Recht, bestätigt durch den Bundesgerichtshof (BGH VI ZR 357/13). Die Kosten trägt die gegnerische Versicherung.
Unterschreiben Sie keine Abfindungserklärung vorschnell. Solange Sie nichts unterschrieben haben, lassen sich übersehene oder gekürzte Positionen nachfordern.
Prüfen Sie jedes Kürzungsschreiben. Was nach einer kleinen Position aussieht, summiert sich. Und vieles davon ist, wie die Reportage zeigt, nicht haltbar.
Holen Sie sich Unterstützung. Ein unabhängiger Sachverständiger und ein Verkehrsrechtsanwalt sind genau für diese Situation da. Beides kostet Sie bei einem unverschuldeten Unfall nichts, weil die Gegenseite die Kosten trägt.
Mein Angebot an Sie
Wenn Sie in Gronau oder im Umkreis einen unverschuldeten Unfall hatten, erstelle ich Ihr Gutachten so, dass es genau diesen Kürzungen standhält. Lückenlos dokumentiert, mit Demontage, wo nötig, und mit jeder Position sauber begründet. Anschließend übernehme ich die Korrespondenz mit der gegnerischen Versicherung und arbeite, wenn nötig, mit einem Verkehrsrechtsanwalt aus der Region zusammen.
Sie müssen sich nicht allein wehren. Genau dafür bin ich da.
📞 0160 96817110 Telefon und WhatsApp, rund um die Uhr erreichbar
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Quelle
Die hier besprochene Reportage „Tricksen Kfz-Versicherungen bei der Schadensregulierung? ECHT?“ wurde vom WDR für die ARD produziert (Reporter Norman Laryea) und ist in der ARD-Mediathek abrufbar. Die genannten Zahlen und Zitate stammen aus dieser Reportage sowie der offiziellen Ankündigung des WDR.